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Selbsthilfe von Menschen, die mit Transidentität zu tun haben.
 
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Schon mal drüber nachgedacht?

"Der Erfolg bietet sich meist denen, die kühn handeln; nicht denen, die alles wägen und nichts wagen wollen."

Herodot

Spielt sexuelle Orientierung eine Rolle?

 
 
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Autor Nachricht
Jenniferjenni


 
Beitrag 14.10.2012 10:52     Antworten mit Zitat

Guten Tag, ich heiße Jennifer, bin 16 Jahre alt, und das was man wohl eine lesbisch empfindende Transsexuelle nennt. Geboren bin ich, biologisch gesehen als Junge, allerdings habe ich mich solang ich zurück denken kann schon immer als Frau gefühlt. Daran bestand niemals ein Zweifel für mich, auch wenn mich meine sexuelle Orientierung anfangs verwirrt hat. Ich will eine Frau werden, und will mich in therapeutische Behandlung begeben. Allerdings habe ich gelesen, dass wohl auch Fragen nach meiner Sexuellen Orientierung kommen werden, und ich habe nun Angst dass gerade das meinem Traum im Weg stehen wird. Zu sagen, ich würde auf Männer stehen wäre kein Problem für mich, aber jeder der mich kennt weiß dass das nicht stimmt, vor allem meine Mutter. Und sie hält mir das auch immer vor, ich könnte nicht Transsexuell sein, weil ich auf Frauen stehe, Ich hatte auch noch nie eine Beziehung, weil mich niemand als den Menschen ansieht, der ich wirklich bin. Ich habe Angst dass sie meine Mutter fragen, die sowieso dagegen hält wo sie nur kann, und ich habe Angst dass ich mich verplapper. Würde meine Sexualität wirklich so ausschlaggebend für die Entscheidung des Therapeuten sein? MFG Jenni :*
Yvie


 
Beitrag 14.10.2012 11:48     Antworten mit Zitat

Hallo!
Also, da solltest Du Dir normalerweise keine Sorgen drüber machen zu brauchen. In der Tat wurde früher bei der Diagnose auch über die sexuelle Orientierung gesprochen, aber da ist man mittlerweile weiter (stichwort Autogynophilie, lass Dir sowas bloß nicht einreden...). Sexuelle Preferenzen und Transsexualität haben nichts mit einander zu tun. Jede Variation tritt auf, kann man auch in etlichen Studien so sehen. Was allerdings vorkommen kann ist eine Änderung der sexuellen Orientierung während der Hormonbehandlung, aber das kannst Du vorher ja noch nicht wissen.

Wenn mein Therpaut mich tiefergehend (gegen meinen Willen) auf mein Sexleben ansprechen würde (was er noch nie getan hat außer einmal zu fragen wo ich denn stehe), dann wäre das für mich ein grund einen neuen Therapeuten zu suchen.

Also, viel Erfolg!
Jenniferjenni


 
Beitrag 14.10.2012 12:27     Antworten mit Zitat

Okay Vielen Dank :-) das erleichtert mich wirklich sehr, mich selbst hat es auch nie an meinem inneren Geschlecht zweifeln lassen, nur war immer die Angst da, was mein Therapeut davon halten würde. Vielen vielen dank :-)
Janna


 
Beitrag 15.10.2012 08:21     Antworten mit Zitat

Es besteht die Möglichkeit, dass sich deine sexuelle Orientierung noch durch die Hormone ändern wird und du dann später doch auf Männer stehen wirst. Da ist noch einiges im Fluss.

Ansonsten, wie Yvie gesagt hat, die sexuelle Orientierung wird heutzutage unabhängig von der Transsexualität gesehen. (Früher war das manchmal anders.)

Eins solltest du aber nicht machen: Deinem Therapeuten etwas vorflunkern. Wenn er darauf kommt, dass du ihm nicht die Wahrheit erzählst, dann wird das den ganzen Begutachtungsprozess deutlich in die Länge ziehen.
Chrissi80


 
Beitrag 15.10.2012 10:18     Antworten mit Zitat

Ja, das kann ich bestätigen. Wobei es eigentlich schon vor den Hormonen losging. Früher war es so, dass ich alles Männliche richtiggehend gehasst habe, weil ich es an mir gehasst habe, oder die Vorstellung, dass es das ist, was man von mir erwartet.
Auch wenn meine Kolleginnen irgendeinen Ex-Kollegen so mochten, weil (Originalwortlaut) er ein "Bär" sei, konnte ich nicht nachvollziehen.

Mittlerweile ist es so, dass ich mich bei solchen Gedankengängen selbst ertappe und mir meiner sexuellen Orientierung irgendwie überhaupt nicht mehr sicher bin. War ja auch früher so, dass ich dachte, ich würde ausnahmslos auf Frauen stehen, aber wie sich mittlerweile herausgestellt hat, konnte ich sexuelle Attraktion und Sehnsucht bezüglich meiner eigenen Identität nicht wirklich auseinanderhalten. Bzw. ich habe das eine als das andere interpretiert, weil ich es nicht besser verstanden habe oder nicht wirklich wahrhaben wollte.

Ich hatte ja auch mit einer Psychologin drüber geredet, und die meinte schmunzelnd, dass es vielen so geht.
Yvie


 
Beitrag 15.10.2012 10:45     Antworten mit Zitat

Ich hab die genauen Zahlen nicht mehr im Kopf, aber vor einer Weile habe ich eine Studie (für den englischen Raum) gelesen, wonach die Prozentuelle Verteilung von homo- und heterosexuellen Frauen bei Transfrauen nach der Transition ungefähr im selben Bereich liegt wie beim Rest der Bevölkerung. Allerdings gilt das nur bei jungen trans*, je älter man ist, wenn man mit der Behandlung beginnt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man der eigenen (heteronormativen) Sozialisierung treu bleibt und so lesbisch bleibt, auch wenn es gar nicht unbedingt der tiefsten Überzeugung entspricht.

Ich seh das auch bei mir selber... Ich habe zwar in jedem Fall vor, bei meiner Frau und Familie zu bleiben, aber ich merke auch zunehmend, dass sich meine Orientierung im Bett verändert - wohin kann ich noch nicht sagen, aber da ist mit Sicherheit eine Änderung. Der Gedanke an Männer ist sicherlich nicht mehr so fremd wie er früher einmal war.
Chrissi80


 
Beitrag 15.10.2012 14:53     Antworten mit Zitat

Also, wenn hier schon Fachliteratur erwähnt wird, wollte ich anmerken, dass ich im Zuge meiner Recherchen mal über eine relativ ausführliche Arbeit zum Thema Transsexualität von Sophinette Becker gestoßen bin - das PDF findet man bei Google relativ direkt. Die Meinungen hier divergieren sicherlich, aber ich fand's recht wissenschaftlich neutral und gleichzeitig gefühlt auch relativ authentisch. Da steht auch drin, dass relativ vorsichtig gefasst "über 3/4" alle MzF in ihrer sexuellen Vorliebe auf Frauen stehen. (was auch wieder darauf hindeutet, dass Sexualität und Transsexualität zwei unterschiedliche paar Stiefel sind und der Begriff daher irreführend ist)
Vivien


 
Beitrag 15.10.2012 20:08     Antworten mit Zitat

Die sexuelle Orientierung spielt bei Ts keine Rolle. Wie hier ja schon geschrieben wurde, wissen das auch die Therapeuten die sich mit Ts auskennen. Was sicher richtig ist, da spreche ich aus eigener Erfahrung, die Hormone verändern da im Laufe der Zeit einiges
Ich bin das beste Beispiel. Ich war erst mit einer Frau verheiratet, habe 2 Kinder mit ihr. Nach meiner Scheidung ( sie hat mich verlassen ) und diversen Beziehungen mit Männern und Frauen, bin ich heute mit einem Mann verheiratet. Ich kann aber auch immer noch mit Frauen. Vor den Hormonen waren Männer aber das absolute no go für micht.
Aber wie gesagt, die sexuelle Ausrichtung spielt keine Rolle dabei.

Vor allem sei absolut ehrlich zu deinen Therapeuten. So kommst du am besten und schnellsten da durch. Die Leute wollen helfen und nicht behindern. Das ist zumindest meine Erfahrung damit.
_________________
Vivien 48 Jahre jung
Yvie


 
Beitrag 15.10.2012 22:42     Antworten mit Zitat

Wie gesagt, das Alter spielt sicherlich eine starke Rolle. Die Studie die ich gelesen hatte (leider finde ich die nicht mehr), zielte auch mehr darauf ab, Tendenzen zu erfassen als konkrete Zahlen zu liefern. Persönlich finde ich die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen gehäufter Homosexualität und Transsexualität besteht hoch interessant, auch wenn es sicherlich schwierig ist, sie mit Sicherheit zu beantworten.

Aber wie dem auch sei. Jeder Mensch ist anders und man muss immer für sich selber entscheiden, was das Beste für einen ist und wie man glücklich wird. Das ist am Ende das Einzige was wirklich zählt.
TanjaH65


 
Beitrag 16.10.2012 08:23     Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

bei mir hat sich auch durch die Hormone nichts getan in Bezug auf Männer. Ich kann nur was mit Frauen anfangen. Und ich denke das hat mehr mit der Seele als Hormonen zu tun.
Aber wie gesagt, jeder Mensch ist anders .

L. G. Tanja