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Selbsthilfe von Menschen, die mit Transidentität zu tun haben.
 
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Schon mal drüber nachgedacht?

"Bedenke gut, was deine Kraft vermag und was über deine Fähigkeit hinausgeht."

Horaz

Transsexualität verstehen

 
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Autor Nachricht
Sarah


 
Beitrag 23.11.2008 16:10     Antworten mit Zitat

Hallo :-)

Ich hab grade so einen Gedanken im Kopf: Können Menschen, die nicht unter TS leiden, verstehen, was es bedeutet, im falschen Körper zu sein? Können sie es wirklich erfassen, dass es es so ist?

Ich lese manchmal Aussagen von Leuten, die sagen "Wenn man es wirklich verstehen will, muss man selbst betroffen sein". Ist das wirklich so? Ich glaube das ehrlich gesagt nicht. Ich denke, dass es Mitmenschen gibt, die es wirklich nicht auf die Reihe kriegen, die wohl lernen, es zu akzeptieren und damit umzugehen, aber im Bauch immer einen gewissen Grundzweifel haben werden. Viele Menschen aber können sich wirklich hineinversetzen, wenn sie sich nur lange genug damit beschäftigen, wenn sie jemand kennen, der seinen Weg geht und es dann auch ganz real spüren können.

Ich vermute, dass es zwei Gruppen gibt: Die einen, die es wirklich erfassen können und die anderen, die es mit dem Herzen nicht fühlen können.

Sagt mir, was ihr dazu denkt. Vielen Dank :-)

Das Fleurchen
Katharina


 
Beitrag 23.11.2008 16:19     Antworten mit Zitat

Ich vermute, dass es drei Gruppen gibt: Die einen, die es wirklich erfassen können, die anderen, die es nicht erfassen können und dann gibt es noch diejenigen, die es gar nicht erfassen wollen.

Liebe Grüße
Katharina
Johanna


 
Beitrag 23.11.2008 16:21     Antworten mit Zitat

Flora hat geschrieben:

Können Menschen, die nicht unter TS leiden, verstehen, was es bedeutet, im falschen Körper zu sein? Können sie es wirklich erfassen, dass es es so ist?

NEIN!
Manche kommen näher dran als andere, aber dieses Leid nachvollziehen (100%) ? - NEIN.
Florence


 
Beitrag 23.11.2008 16:37     Antworten mit Zitat

Ich glaube nicht, dass außenstehende Menschen wirklich erfassen können, was TS bedeutet, was es heißt im falschen Körper zu sein.
Mir war und ist das eigentlich gar nicht so wichtig. Wichtig hingegen ist es mir, dass ich von meinen Mitmenschen so akzeptiert werde wie ich bin. Akzeptanz ist mir viel wichtiger als der Versuch sich in mich hineinversetzen zu wollen. Selbstverständlich gibt es auch da verschiedene Gruppen .. die einen meinen es ehrlich und bei anderen ist diese Akzeptanz aufgesetzt.
Alles in allem habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.

lg
Florence
Katharina


 
Beitrag 23.11.2008 16:39     Antworten mit Zitat

Florence hat geschrieben:

Mir war und ist das eigentlich gar nicht so wichtig. Wichtig hingegen ist es mir, dass ich von meinen Mitmenschen so akzeptiert werde wie ich bin.

Denke ich auch. :-)
Angelika


 
Beitrag 23.11.2008 17:38     Antworten mit Zitat

Willkommen im öffentlichen Bereich,

Flora hat geschrieben:

"Wenn man es wirklich verstehen will, muss man selbst betroffen sein".

Wie will man mehr als 'ne Annäherung hinbekommen? Wer weiß *wirklich*(!!) wie sich 'ne Farbige im überfüllten Bus fühlt? Wer weiß *wirklich* wie sich 'ne Zwangserkrankung anfühlt ("soll doch einfach aufhören!")? - Und: wer hier weiß wie es sich anfühlt (wirklich anfühlt) *nicht* TS zu sein?

Und warum sollte man es wollen? Reicht es nicht, das mir jemand, wer z.B. 'nen Zwang hat, sagt dass es so und so ist? Reicht es nicht, dass ich diese Dinge einfach nur akzeptiere und einfach mal glaube, anstatt anzuzweifeln?

LG
Geli

PS: Ich bin für absolute Toleranz allen Nicht-TS gegenüber! Auch, wenn ich es nicht verstehen kann!
Nina1980


 
Beitrag 23.11.2008 18:00     Antworten mit Zitat

Ich denke auch es kann eine gewisse annäherung hinbekommen aber
wirklich nachfühlen kann man es nicht, das ist aber nicht ts spezifisch denke ich.
Wie soll man verstehen wie sich etwas wirklich haargenau anfühlt
wenn man es nicht selber erlebt hat, wenn man z.b. nie liebe erlebt hat kann man sich
auch sicherlich theoretisch daran annähern aber wie es sich wirklich anfühlt kann man
erst sagen wenn man es erlebt.
Sarah


 
Beitrag 23.11.2008 18:28     Antworten mit Zitat

Hi :-)

Ich meinte jetzt nicht "haargenau wissen, wie sich etwas anfühlt". Mehr sowas wie "Ich sehe in dir ne Frau, spüre es ganz klar und so rum bist du einfach richtig". <--- So ein Verständnis eben. Daraus erwächst wohl auch eine ganz andere Akzeptanz als von jemand, der sagt: "Naja wenn sie sich damit besser fühlt, wieso nicht".

LG Fleur
Nina1980


 
Beitrag 23.11.2008 18:34     Antworten mit Zitat

Flora hat geschrieben:

"Ich sehe in dir ne Frau, spüre es ganz klar und so rum bist du einfach richtig".

ok das hatte ich ganz anders verstanden, doch das gibt es auf jeden fall !!!
beate_r


 
Beitrag 23.11.2008 18:39     Antworten mit Zitat

Derartige Rückmeldungen bekomme ich glücklicherweise....

... aber, um dann doch mal die ursprüngliche Formulierung aufzugreifen - *versteht* IHR denn selbst, was TS ist? Geht das denn überhaupt in dieser Allgemeinheit?

Ich jedenfalls nicht - ich bin ihr ausgesetzt, auf meine ganz persönliche Weise, versuche, das beste daraus zu machen, fühle mich damit auch ganz wohl, aber vom Verstehen bin ich meilenweit entfernt (und habe keine Lust, mir meilenweit Löcher in die Schuhe zu laufen, um dem näher zu kommen).

LG

Beate
_________________
Freiheit bedeutet Verantwortung; das ist der Grund, weshalb die meisten sich vor ihr fürchten
Anette


 
Beitrag 23.11.2008 19:42     Antworten mit Zitat

Tja, Ihr Lieben,
was soll ich als Ehefrau einer TS dazu sagen?
Ich hab lange drüber nachgedacht - nicht erst, seit dieser Thread hier eröffnet wurde.

Ist wohl klar, oder? :-)

Nein, ich kann es nicht verstehen.
Ich kann schlicht nicht verstehen - und bitte verzeiht mir, wenn ich das jetzt aus der ganz persönlichen Vorgeschichte her sehe - warum mein Mann eine Frau sein will/möchte/meint, sein zu müssen/ist.
"Er" war nämlich ein guter Mann, ein liebevoller Vater, und ein ganz toller, und sehr ausgeglichener und oft sehr fröhlicher Ehepartner und auch unser gemeinsames Sexleben war eindeutig lustvoll, fröhlich, manchmal tröstend, manchmal spielerisch ..... einfach gut! So, wie es sein sollte!

Und "Leiden", einen "Leidensdruck " .... nun, der ist meiner Gesine in all den Jahren wohl erspart geblieben - bis auf wenige Jahre Ausnahme in der nahe liegenden Vergangenheit.
Leidensdruck - nun, den hätte ich mit Sicherheit gespürt, denn - wir lieben uns ! Und auch Gesine sagt heute ganz klar, dass da kein Leidensdruck war in der Vergangenheit - erst in den letzten paar Jahren !

Ich kann aber akzeptieren, was dieser geliebte Mensch an meiner Seite möchte.
Und ich kann es sogar respektieren - ich kann nämlich jetzt damit klar kommen, dass der Mensch an meiner Seite nun endlich das sein will, als dass er - der Mensch - sich schon lange gefühlt hat - nämlich als Frau. Und das dieser geliebte Mensch nun unbeirrbar diesen Weg geht.

Verstehen ...... nein.
Akzeptieren .....ja.
Respektieren ...... aber ganz ja.

Zitat:

und habe keine Lust, mir meilenweit Löcher in die Schuhe zu laufen, um dem näher zu kommen

Und dem kann ich auch voll zustimmen !
Ich nehm´s hin, richte mich in diesem neuen Leben ein, und hoffe, dass aus diesen 27 Jahren Ehe noch viel mehr werden!

Und ich freue mich auf unser neues Leben!

Liebe Grüße
Anette
Anja W.


 
Beitrag 23.11.2008 20:05     Antworten mit Zitat

Fremdwahrnehmung, eigene Wahrnehmung ... ??? Ich denke, da hilft auch kein Verständnis, was denn nur Transsexualität sei und ob man es selbst für sich definieren und wahrnehmen kann oder dass nicht Betroffene dieses niemals vollends nachvollziehen könnten. Das ist zwar eine Realität, mit der man sich auseinandersetzt oder mit der sich andere auseinandersetzen müssen. Aber was bringt es für mich selbst, ganz individuell, was hilft es mir in meiner Individualität?

Nun, ich habe in meinem Leben sehr viel verdrängt und auch immer wieder Ausbruchsversuche gewagt. Leiden? Unterschwellig ja, manchmal auch stärker; aber ebenso Verdrängung dessen und man kann sagen, ich habe irgendwie nur auf halber Flamme gelebt.

Aber wenn dieser Kampf und der Weg voller Hindernisse einen Sinn machen soll, dann heißt es zwangsläufig irgendwann mal ankommen. Eine Frau oder ein Mann haben sich derart kaum in ihrem leben über ihre Identität derart viele Gedanken gemacht. Für Transsexuelle scheint es signifikant zu sein und auch ich spreche mir das nicht ab. Aber an einem gewissen Grad habe ich davon losgelassen und nunmehr, nachdem ich den Weg hinter mir habe, setze ich mich einfach damit nicht mehr auseinander. Ich bin eine Frau! Na und? Diese Erkenntnis ist nicht nur mir zueigen, sondern vielen anderen Frauen auch. Was zählt ist das Leben, dass ich zu führen habe und wie ich mein Leben als Frau gestalten will.

LG Anja
_________________
m'aiment ou laissez-la
Fenja


 
Beitrag 23.11.2008 22:14     Antworten mit Zitat

Flora hat geschrieben:

Ich hab grade so einen Gedanken im Kopf: Können Menschen, die nicht unter TS leiden, verstehen, was es bedeutet, im falschen Körper zu sein? Können sie es wirklich erfassen, dass es es so ist?

Anette zeigt die Stufen auf:

Verstehen
Akzeptieren
Respektieren

Ich füge noch hinzu:
Tolerieren

Toleranz ist eigentlich das mindeste, was man in unserer Gesellschaft erwarten kann. Leider gibt es immer mal Mitmenschen, die Null Toleranz für einen Ausdruck von Stärke halten.

Respekt ist etwas, das leider selten auf Vorschuss gewährt wird. Oft muss man sich Respekt erst erwerben. Allerdings ist es nicht so schwer, sich Respekt zu erwerben (zu verschaffen). Im Grunde ist es ausreichend Anderen mit einem Vorschuss an Respekt zu begegnen.

Akzeptanz setzt die Bereitschaft voraus, etwas gegebenenfalls auch ohne umfassendes Wissen anzunehmen, einfach darum, weil es so ist, wie es ist.

Verstehen erfordert, dass man sämtliche relevante Aspekte kennt. Das setzt meiner Meinung nicht voraus, dass man selbst betroffen ist.

Deine Frage, Flora, kann ich mit Ja beantworten. Wie weit über das rationale Verstehen hinaus Empathie zu einem tieferen Verständnis führt, darüber kann ich nur spekulieren. Welche Transsexuelle kann von sich sagen, dass sie ihre Transsexualität wirklich völlig versteht?
Cilly


 
Beitrag 24.11.2008 00:41     Antworten mit Zitat

Flora hat geschrieben:

Ich vermute, dass es zwei Gruppen gibt: Die einen, die es wirklich erfassen können und die anderen, die es mit dem Herzen nicht fühlen können.

ich glaub ja eher es ist schwer wirklich Gruppen zu bilden, aber es gibt immer menschen, die sich mit Problemen anderer auseinandersetzen wollen oder können, sich versuchen hineinzudenken und andere, die das nicht wollen oder können... und Zwischenstufen... es gibt jede menge menschen, die es interessiert, wie es wohl wäre, mal einen tag...aber nur aus Neugierde, oder eben weil sie das andere Geschlecht insgeheim um das eine oder andere beneiden... oder auch nur, um besser verstehen zu können (insofern ist wirklich das leben und sein in letzter Instanz eben der direkteste Bezug, ein irgendwie geartetes Problem beurteilen zu können)...

im Endeffekt ist doch alles nur ein Aspekt im leben... mache sind dick, andere blond, weitere transsexuell oder eben ex-ts... wie man selbst und andere damit umgehen, ist eine frage von Toleranz, Akzeptanz ... denn Menschen sind nicht normiert, selbst wenn man irgendeine von außen scheinbar homogene Gruppe betrachtet, wird sie bei genauerem Hinsehen immer inhomogen sein... manche menschen stören sich daran, andere nicht... manche menschen haben aber auch bei aller Akzeptanz und Toleranz grenzen... andere weniger...
_________________
Liebe Grüße, Cilly (PS. und natürlich "Hallo" sollte ich das eingangs vergessen haben *zwinker*
Gisela


 
Beitrag 24.11.2008 11:52     Antworten mit Zitat

Muss man selbst betroffen sein, um zu verstehen?

Ich bin die Ehefrau einer Betroffenen und somit betroffen. Ich als Biofrau bin glücklich in und mit meinem Körper und ich wünsche mir ganz sicher keinen männlichen. Allein die Vorstellung! Ich kann verstehen, das TS im "falschen" Körper kein erfülltes, glückliches Leben leben können. Ich akzeptiere, dass meine Frau so auch nicht weiterleben wollte und konnte! Ich respektiere ihren Wunsch, als Frau zu leben und freue mich, dass sie es mit mir tun will.
Die Menschen, deren Lebensweg ich hier im Forum kennengelernt habe, haben mir ein Verstehen auch erleichtert. Ebenso der Besuch in der Gruppe in Oldenburg, wo wir leider nicht so oft hinkommen.
Ich kann wie Anette auch sagen : Ich freue mich auf unser neues zweites Leben. :-)

Liebe Grüße
Gisela
tashina


 
Beitrag 24.11.2008 12:49     Antworten mit Zitat

Moin, moin, Ihr Lieben,

es ist sehr interessant und im Moment für mich mal wieder hochaktuell, Eure Meinungen zu Gelis Frage zu lesen.

Gestern erst hatte ich wieder mal ein Gespräch mit meiner ehemaligen Gefährtin zu uns und unserer derzeitigen Situation. Es war eine sehr offene und darum vielleicht auch an manchen Stellen schmerzhafte Aussprache, die letztendlich in Bezug auf diesen Strang hier ergab:

Meine Familie "spielt" mir zuliebe mit und sie zwingen sich zu sagen: "Das Gras ist rot."

Verstehen oder akzeptieren kann mich niemand von ihnen richtig. Die Toleranz, zu der sie sich im Rahmen des "Roten-Gras-Spiels" zwingen, ist endlich und begrenzt. Sie erkennen an, dass ich mich besser fühle, dass ich nun vielleicht auch in der Lage bin, Glücksmomente zu empfinden, aber ich bleibe ihnen suspekt. Wenn sie in meiner Abwesenheit über mich sprechen, verwenden die Kinder das alte Pronomen und meine ehemalige "Funktionsbezeichnung" ... und auch im Beisein Dritter wird dies immer mal wieder unbedacht so getan. Die ehemalige Gefährtin bemüht sich zwar, mich mit Namen und als Sie anzusprechen, aber sie gibt zu, dass es ihr immer noch enorm schwer fällt.

Für mich stellt sich das so dar, dass im engsten Familienkreis meine Eigenwahrnehmung und auch die vorgenommenen Veränderungen nicht zu einem grundlegenden Wandel in der Fremdwahrnehmung führten. Ich bin mir sicher, dass das so bleiben wird und dass ich auch niemanden agitieren, nötigen oder zwingen werde, nur weil ich es mir erträume.

Bestimmt liegt das nur an mir, ich habs net hingekriegt, ihnen klar zu machen, was mit mir los war und was ich durchlebte und durchlebe ... so werde ich also weiter nichts mehr unternehmen, als die mühsam erreichte Toleranz am Leben zu erhalten und zu versuchen, emotionalen Abstand zu gewinnen. Ich hoffe, dass ich mit diesem emotionalen Abstand Stabilität für mich erreiche und die in meinem Falle wohl nie zu überwindende mangelnde Akzeptanz oder fehlendes Verständnis besser kompensieren kann.

Genauso ist es in der Arbeit ... Toleranz ja, aber begrenzt ... Akzeptanz - die fachlichen Eigenschaften bleiben akzeptiert ... Verständnis??? Das steht nicht zu erwarten ... Sicherlich berührt mich das in der Arbeit Erlebte nicht so heftig wie meine familiären Dinge. Aber es tut schon immer mal wieder a bisserl weh, wenn mein direkter Vorgesetzter in den letzten Monaten häufiger und in den letzten Wochen auffällig oft altes Pronomen oder "Herr ...." verwendet ... Oder, ein anderes Beispiel, wie meine Schritte durch ihn abgewertet werden. Als es um meine länger andauernde als ursprünglich angedachte Krankschreibung ging, kam ziemlich deutlich durch ihn zur Aussage: er könne sich vorstellen, dass mein Urlaub für die Rekonvaleszenz gut zu gebrauchen wäre - und auf zaghafte Erwiderung meinerseits, dass Urlaub wohl anders gedacht sei, kam auch ziemlich unverblümt, dass ich mich nicht so anstellen soll, denn schließlich hätte ich das alles ja so gewollt ...

Ich denke mal, es gibt in meinem Leben außer auch direkt durch TS betroffenen Mitmenschen und vielleicht einigen ganz wenigen Medizinern und meiner Psychologin und meiner Betriebsrätin nur noch eine Freundin, die mich ansatzweise versteht, aber sonst ist es für die anderen Leutz in meinem Umfeld einfach nicht möglich.

Ich möchte das hier nur feststellen, nicht werten. Andererseits - ich gönne allen, die das schon immer hatten - ihre Selbstverständlichkeit in der Übereinstimmung von Körper, Geist und Seele. Jedoch lasse ich mir meine neuen und so wunderbaren Erfahrungen durch das Nichtverstehen-Können auch nicht wegdiskutieren. Vielleicht ist ne stabile Toleranz und das Bemühen um ein höfliches "Rotes-Gras-Spiel" für mich das optimal Erreichbare ... es ist so wie es ist ...

friedliche liebe Grüße
tashina
_________________
mitakuye oyasin
Sarah_B


 
Beitrag 24.11.2008 13:37     Antworten mit Zitat

TS verstehen - das kann man wohl nicht zu 100%, wenn man selber nicht in der Situation ist. Genau so kann z.B ich mich nicht in meinem Mann hineinversetzten der an Morbus Bechterew leidet. Da kann ich auch nicht mitreden wie es denn wohl sein mag, immer mit Schmerzen und der Gewissheit zu leben, das dies nicht besser wird.
Das wir beide immer damit leben müssen, das ich TS bin/war und er an MB leidet, darüber sind wir uns klar.
Es wird immer ein Rolle in unserem Leben spielen, ob wir wollen oder nicht.
Wir versuchen aber so gut es geht, uns in den Anderen hinein zu versetzen. Auch wenn dies sehr, sehr schwer ist.
Manchmal frage ich mich, wie kann man nur so durchhängen, wenn er mal wieder stundenlang auf der Couch vor der Glotze hängt, weil ihm seine Knochen weh tun.
Genauso konnte er vielleicht nicht 100%ig nachvollziehen, was in mir vorgegangen damals vorgegangen ist, als ich meinem Weg antrat. Versucht hat er es, wenn ich mir seine E-Mails von damals durchlese die er mir schrieb, als wir noch frisch zusammen waren und ich ihm davon berichtete, was mit mir los ist.
Mag sein, das ihm damals es schon eher klar war, was mit mir ist, ehe ich mir es selbst eingestand. Er hat diese außergewöhnliche Fähigkeit in andere Menschen hineinzublicken, als wären diese aus Glas.
Nur den Leidensdruck einer Krankheit zu erfahren, zu spüren, zu verstehen, kann man wohl nur, wenn man selbst davon betroffen ist.
Cilly


 
Beitrag 24.11.2008 13:43     Antworten mit Zitat

@tashina und alle anderen mit ähnlichen problemen...

meine erfahrungen zu der beschriebenen problematik sind eigentlich die, dass das verwenden der richtigen pronomen und anrede keine sache der toleranz oder akzeptanz primär sind, sondernd eher eine des passings (optisch wie auch vom verhalten her), sekundär eine frage, wie lange man die menschen kennt (je länger, je länger kann es dauern, bis die "umgestellt" haben) und letztendlich ist die richtige anrede eine Sache der HÖFLICHKEIT! und aufmerksamkeit...
_________________
Liebe Grüße, Cilly (PS. und natürlich "Hallo" sollte ich das eingangs vergessen haben *zwinker*
tashina


 
Beitrag 24.11.2008 22:08     Antworten mit Zitat

Liebe Cilly,

... hmm, das "passing" ... japp - das spielt mit Sicherheit nicht unwesentlich mit ... da muss ich noch viel arbeiten und lernen ... obwohl es mir recht klar ist, dass aus einem alten Lastkamel kein schneeweißes Renndromedar mehr werden kann.

Nur hab ich den Eindruck, dass sich da bei mir in der letzten Zeit schon bissel was getan hatte - zumindest gehe ich so im alltäglichen Alltag doch recht unauffällig durch - nur die Stimme halt ... die ist echt immer noch nen Prob ...

Nun ja, ich nehme Deine Erwiderung als Ansporn, weiter an mir zu feilen und zu schleifen ...

friedliche liebe Grüße
tashina
_________________
mitakuye oyasin
Hanna-Michaela


 
Beitrag 24.11.2008 23:42     Antworten mit Zitat

Uff, ... Mensch Flora, musste immer so schwere Fragen stellen?

Ich hoffe du kriegst keinen Schock, wenn ich dir offen gestehe, dass sogar ich als "Betroffene" überhaupt nicht kapiere, was da in mir abgeht. Wenn ich die Dinge sortiere ... komme ich zu keiner Antwort. Liegt es daran ... dass meine Mamma sich mit mir im zweiten Monat umbringen wollte, als mein Gehirn gerade in der Entwicklung war? Kann Unterkühlung einen Fötus transsexuell machen? Oder Mammas Alkoholmissbrauch? Oder die Syphilis? Oder der Tablettenmissbrauch? Oder die Trennungsschocks in den ersten Monaten, als Mamma regelmäßig auf Sauftour ging?

Oder ist der ganze Schlammassel auf psycho-soziale Einflüsse zu schieben? Die zähl ich jetzt nicht auf, keine Angst, kennt eh schon jeder aus Souled und co.

Bin ich eine "Frau im falschen Körper"? Bin ich "cerebral Intersexuell? Bin ich einfach nur bekloppt?

Ich weiß es nicht, warum ich so ticke ... wie sich "richtige" TS anfühlt. Kenne nur mein chaotisches Leben und meine Gefühle. Alles was ich weiß ist, dass diese Entscheidung mein Leben erträglicher gemacht hat ... ich eigentlich nur noch lebe, weil ich endlich zu meinen Gefühlen gestanden hab. Heute wieder Fotos "von Früher" gesehen. Gott wie fremd ist das ... ich versuche mich "reinzufühlen", ja, ich hab die Situationen im Kopf. Aber der Mensch ist weg. Hanna blickt auf die Bilder zurück ... Michael scheint nicht mehr zu leben. Wie hat es sich angefühlt Michael zu sein? ... Warum kann mein Gehirn das alles so .. einfach ... ausblenden? Ich lebe doch nicht nur drei Jahre?

Als ich 1994 nach Hamburg zog, war das ein Exodus. Kaiserslautern legte ich ab, wie einen schäbigen Mantel. Vier Jahre später kehrte ich in die Stadt zurück, in der ich so viel Leid erlebt habe ... und ich erkannte die Stadt nicht wieder. Ok, die markanten Plätze ja, aber Wege ... nur durch das Rückversetzen in einen Trance-ähnlichen Zustand fand ich mein Elternhaus wieder. Die Beine gingen, aber der Kopf wunderte sich und wusste nicht wo ich war.

Ist es ein Schutz? Ist es typisch für TS? Was ist den "typisch"? Gibt es das überhaupt? Eint uns alle wirklich mehr als nur die sehr vage formulierte Diagnose?

Sch ... ich weiß nicht wie sich TS anfühlt. Nur wie ich fühle weiß ich ... und ich bin ein Stern ... singular und keinesfalls repräsentativ. Wie soll um Gottes Willen ein Außenstehender dieses Phänomen wirklich nachfühlen können, wenn schon wir uns untereinander so schwer tun individuelle Gefühle und Wege zu akzeptieren.

DU, liebe Flo, bist einzigartig, und keine von uns kann auch nur erahnen, wie sich dein Weg zur Erkenntnis vollzogen hat ... geschweige denn, wie du diese Erkenntnis erlebst.

Wir streiten uns oft um solche Nichtigkeiten, und diese Nickeligkeit, Rechthaberei, dieser "Vereinsbürokratismus" deprimiert mich. Wenn diese kleine, 14jährige Windelpuperin in unbekümmerter Leichtigkeit hier reinfegt. so offen und klar, dass es mir wehtut, wenn ich an meinen eigenen Zustand zu dieser Zeit zurückdenke ... und sie erst mal auf den Topf gesetzt wird ... wegen Rechtschreibung ... und TS ist kein Spiel und so ... Googel erst mal ...

Mein Gott, das Hascherl scheißt sich fast ein, weil die Pubertät bevorsteht, weil Mamma und Pappa nix rallen und alles auf später schieben wollen ... wenn die Stimme unten ist, der Bart schon wächst und der Körper sich eindeutig männlich entwickelt hat. Gott, wenn wir da nicht mal das Verständnis aufbringen und die Kleine, statt zu trösten sie anpflaumen ... Wie soll da jemand Nichtbetroffener uns verstehen?

OK, ok, vielleicht bin ich gerade zu emotional, die Hormone, wisst ihr ...

Aber ist eh genug Statement ... wieder mal viel zu viel.

Liebe Grüße an Alle

HaNNa
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